Montag, 28. Februar 2011

Der Verworfene von Stefan George (1868 - 1933)

Du nahmest alles vor: die schönheit grösse
Den ruhm die liebe früh-erhizten sinns
Im spiel · und als du sie im leben trafest
Erschienen sie verblasst dir nur und schal.

Du horchtest ängstlich aus am weg am markte
Dass keine dir verborgne regung sei..
In alle seelen einzuschlüpfen gierig
Blieb deine eigne unbebaut und öd.

Du fandest seltne farben schellen scherben
Und warfest sie ins wirre blinde volk
Das überschwoll von preis der dich berauschte..
Doch heimlich weinst du - in dir saugt ein gram:

Beschämt und unstät blickst du vor den Reinen
Als ob sie in dir läsen.. unwert dir
So kamst du wol geschmückt doch nicht geheiligt
Und ohne kranz zum grossen lebensfest.

Dienstag, 15. Februar 2011

Pablo Neruda



Y fue a esa edad... Llegó la poesía
a buscarme. No sé, no sé de dónde
salió, de invierno o río.
No sé cómo ni cuándo,
no, no eran voces, no eran
palabras, ni silencio,
pero desde una calle me llamaba,
desde las ramas de la noche,
de pronto entre los otros,
entre fuegos violentos
o regresando solo,
allí estaba sin rostro
y me tocaba.

Yo no sabía qué decir, mi boca
no sabía
nombrar,
mis ojos eran ciegos,
y algo golpeaba en mi alma,
fiebre o alas perdidas,
y me fui haciendo solo,
descifrando
aquella quemadura,
y escribí la primera línea vaga,
vaga, sin cuerpo, pura
tontería,
pura sabiduría
del que no sabe nada,
y vi de pronto
el cielo
desgranado
y abierto,
planetas,
plantaciones palpitantes,
la sombra perforada,
acribillada
por flechas, fuego y flores,
la noche arrolladora, el universo.

Y yo, mínimo ser,
ebrio del gran vacío
constelado,
a semejanza, a imagen
del misterio,
me sentí parte pura
del abismo,
rodé con las estrellas,
mi corazón se desató en el viento.




Meine Übersetzung (ohne Gewähr)

Die Poesie

Und es war in jenem Alter als die Poesie mich aufsuchte
Ich weiß nicht, ich weiß nicht woher
sie kam. Aus dem Winter oder dem Fluß.
Ich weiß nicht wie oder wann
nein, es waren keine Stimmen, weder
Worte, noch Stille,
aber aus einer Gasse heraus rief sie mich,
durch die Zweige der Nacht
plötzlich zwischen all den anderen,
zwischen gewaltigen Feuern
oder alleine heimkehrend,
stand sie direkt vor mir, ohne Angesicht
und berührte mich.

Ich wusste nichts zu sagen
Mein Mund
kannte keine Worte
Meine Augen waren blind
und etwas pochte in meiner Seele
Fieber oder haltlose Flügel
Und ganz allein auf mich gestellt
begann ich
jene Brandzeichen
zu entziffern,
und ich schrieb die ersten zaghaften Zeilen
vage, ohne Gestalt, reinen Alberei
reine Weisheit,
dessen der nichts weiß
und plötzlich sah ich
den Himmel
entkernt
und geöffnet
Planeten
atemberaubendes Grün
durchbrochener Schatten,
durchlöchert
von Pfeilen, Feuer und Blumen
die unaufhaltsame Nacht, das Universum

Und ich, lächerliches Wesen
betrunken von der großen Leere
sternenreich
ähnlich wie, gar ein Abbild
des Geheimnisses ,
fühlte ich mich als Teil
des Unendlichen
Umringt von Sternen
löste sich mein Herz im Wind auf.

Samstag, 12. Februar 2011

endlich frei !

I put down my robe, picked up my diploma
Took hold of my sweetheart and away we did drive
Straight for the hills, the black hills of Dakota
Sure was glad to get out of there alive
And the locusts sang, yeah, it give me a chill
Yeah, the locusts sang such a sweet melody
And the locusts sang with a high whinning trill
Yeah, the locusts sang and they were singing for me
Singing for me, well, singing for me.
-Bob Dylan, Day of the Locusts-

Donnerstag, 10. Februar 2011


"'Der Gott der kleinen Dinge' hinterlässt keine Spuren im Sand, keine Wellen im Wasser, kein Abbild im Spiegel. Er ist der Gott dessen, was verloren geht, der persönlichen und alltäglichen Dinge, nicht der Gott der Geschichte, die die 'kleinen Dinge' grausam in ihren Lauf zwingt … und: Die Dinge können sich an einem einzigen Tag verändern." Arundhati Roy
Work without hope draws nectar in a sieve,
And hope without an object cannot live.
- Coleridge, 1825-

Dienstag, 8. Februar 2011

"Zweifle nicht an dem, der dir sagt er hat Angst, aber hab Angst vor dem der dir sagt, er kenne keinen Zweifel."
Erich Fried

das Rauschen der Muschel

Wenn ihr ein paar Minuten Zeit habt, dann nehmt sie euch für diesen melancholischen Kurzfilm von Michael Dudok de Wit. Für mich der schönste "Liebesfilm", wenn auch nicht im klassischen Sinne.


Und die Muschel rauscht!

Montag, 7. Februar 2011

Manfred H. Freude (*1958)
CIELO himmelsblau

Ich habe diesen Himmel mir nicht ausgesucht
den ewig hohen den unendlich blauen
Es sind schon viele aufgefahren
und kamen nicht zurück
und auch die untergingen fielen tief.

Wer sucht schon selbst den Himmel aus
der ständig weint und brüllt
und wenn er schlägt mit seinem Zorn
Wohin soll ich mich wenden ohne Ort?

Nur an den Straßen gibt es Halt
doch warten wir doch vergebens oft
Bewegen uns am gleichen Platz ein Leben lang.

Ich bin nicht unter diesem Himmel
Ich bin nicht unter diesem Blau
Ich bin ein Stern wie alle dort hochfern

Sonntag, 6. Februar 2011




Yosemite Nationalpark und Las Vegas

Die Dinge singen hör ich so gern

Rainer Maria Rilke
(* 04.12.1875 , † 29.12.1926)
Die Dinge singen hör´ ich so gern
Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort.
Sie sprechen alles so deutlich aus:
Und dieses heißt Hund und jenes heißt Haus,
und hier ist Beginn und das Ende ist dort.

Mich bangt auch ihr Sinn, ihr Spiel mit dem Spott.
Sie wissen alles, was wird und war,
kein Berg ist ihnen mehr wunderbar;
ihr Garten und Gut grenzt gerade an Gott.

Ich will immer warnen und wehren: Bleibt fern.
Die Dinge singen hör ich so gern.
Ihr rührt sie an: sie sind starr und stumm.
Ihr bringt mir all die Dinge um.


Rainer Maria Rilke